„Untergrund“ Das Pilotprojekt am ZOB

Das Pilotprojekt befindet sich an der westlichen Seitenwand des Zentralen Omnibus-Bahnhofs (ZOB). Die Wand flankiert den Durchgang vom Altmarkt zum Berliner Platz und ist durch Fußgänger*innen recht hoch frequentiert. In direkter Nähe befinden sich eine Filiale eines Geldinstituts und verschiedene gastronomische Außenflächen.

Wir verwandeln einen bisher vernachlässigten und ungeplegten Ort in eine attraktive ‚Gallery Alley‘ und werten das Quartier nachhaltig auf. Statt bekannter Klischees wie Förderturm und Rotes Pferd setzen wir auf eine moderne Bildsprache, die sich bewusst abhebt. Durch die gezielte Segmentierung der Motive verwandeln wir die räumliche Enge in ein intensives Narrativ, das zum Verweilen einlädt.

Die fast 25m lange Wand mit einer Höhe bis zu 3m wies bis Anfang 2026 einige Schmierereien und illegale Graffitis auf. Hier der „Vorher-Nachher“-Vergleich:

 
 

Der Künstler Dan Geffert aka SPONK hat mehrere Motive entworfen, die sich in die Ziegelstruktur des Mauerwerks einfügen, Szenen aus dem Bergbau zeigen und Bezüge zur heimischen Tierwelt aufgreifen. Der Zugang zu diesem Kunstwerk als “Bildergeschichte mit Tieren” ist altersunabhängig möglich und nicht nur für ehemalige Bergleute verständlich.

Die Motive haben eine starke räumliche Wirkung über mehrere Bildebenen. Die einzelnen Motive und ein Vorschlag zu ihrer Interpretation gibt es hier:

Ratten und Stelen

Motiv 1: Ratten und Stelen

Oft als Schädlinge verpönt, waren Ratten im Bergbau lebenswichtige Gefährten. Als natürliches Frühwarnsystem spürten sie den drohenden Gebirgsdruck lange vor dem Menschen. Wenn die Tiere massenhaft aus den Ritzen flohen, war das für die Bergleute das entscheidende Signal, ihnen schleunigst ans Tageslicht zu folgen.

Die bunten Stelen nehmen dabei Bezug auf die berühmten „Totems“ von Agustín Ibarrola auf der Halde Haniel und schlagen so die Brücke zur regionalen Kunst.


Frettchen und Kultur

Motiv 2: Frettchen und Bottrop-Stele

Wo einst Kohle gefördert wurde, blüht heute die Kultur. Mit Helm und Lampe, den Symbolen ihrer Herkunft, geben die Kumpel ihrer Stadt ein neues Gesicht.

Auch hier werden die Stelen wieder aufgegriffen. Frettchen gelten als besonders neugierig und sozial. Sie bringen Farbe auf die Bahnschwellen und beweisen: Der Strukturwandel geschieht nicht von selbst. Er wird von den Menschen getragen, die Bottrop geprägt haben. Hier wird aus Bergbau Kultur, aus harter Arbeit Identität und aus der Vergangenheit eine lebendige Zukunft.


Hasen im Förderkorb

Motiv 3: Hasen im Förderkorb

Im übertragenen Sinne sind diese Hasen wie die Kumpel selbst: Robust, anpassungsfähig und bedingungslos aufeinander angewiesen.

Die Seilfahrt im Förderkorb wird dabei zum Sinnbild für tiefes Vertrauen, man begibt sich gemeinsam in die Tiefe und verlässt sich darauf, dass die Technik und der Zusammenhalt einen wieder nach oben tragen.

Die Dynamik der Darstellung vermittelt die körperliche Anstrengung, aber auch die unerschütterliche Entschlossenheit der Gemeinschaft.


Maulwürfe in der Kaue

Motiv 4: Maulwürfe in der Kaue

Unter Tage zählt das Miteinander. Die als Maulwürfe dargestellten Bergleute zeigen mit einem Augenzwinkern, was wahre Kameradschaft bedeutet: Man kann sich eben nach der Schicht in der Kaue nicht allein den Rücken schrubben.

Dieses Bild vom sog. „Buckeln“ steht für die Nähe, das Vertrauen und den gelebten Zusammenhalt, der im Bergbau überlebenswichtig war und bis heute das Fundament des sozialen Gefüges bildet.


Eule und Grubenlampe

Motiv 5: Eule und Grubenlampe

In der Dunkelheit der Grube erscheint die Eule als wachsame Hüterin der Kumpel. Mit ausgebreiteten Flügeln schützt sie den Raum, während die Grubenlampe dort Orientierung schenkt, wo Gefahr herrscht. Die Eule gilt in der westlichen Welt auch als Vogel der Weisheit.

Wie unter Tage ist das Licht kein Standard, sondern ein kostbares Gut. Es symbolisiert Erfahrung und die gegenseitige Verantwortung, den sicheren Weg durch das Ungewisse zu finden.

„Glück auf, der Steiger kommt. Und er hat sein helles Licht bei der Nacht schon angezündt.“ (Steigerlied)


Eichhörnchen und Kanarienvogel

Motiv 6: Eichhörnchen und Kanarienvogel

Mit Kraft und Mut bahnt sich der Bergmann seinen Weg durch das Gestein. Während die Funken fliegen, wacht der Kanarienvogel an seiner Seite – ein ewiges Sinnbild für Vorsicht und Fürsorge: Unter Tage wurden Kanarienvögel oft als Warnvögel eingesetzt, da sie den Anstieg giftiger Grubengase anzeigten.

Auch wenn Eichhörnchen als äußerst aktive, flinke und geschickte Kletterer gelten: Das Bild erzählt davon, dass echter Fortschritt im Bergbau nur gelingen kann, wenn die Sicherheit und die Verantwortung für das Leben stets mitgeführt werden.


 

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